Willkommen

Willkommen bei der Christlichen Arbeitsgemeinschaft Tanz in Liturgie und Spiritualität e.V.

 
Wir freuen uns, dass Sie sich für unsere Arbeitsgemeinschaft interessieren.
Als ökumenischer Zusammenschluss von Menschen christlichen Glaubens ist unser zentrales Anliegen, Tanz und Gebärde als wichtige Erfahrungs- und Ausdrucksweise in den verschiedenen Formen von Liturgie und christlicher Spiritualität zu entfalten und weiter zu verbreiten.

Die vielfältigen Ausdrucksweisen umfassen Gebetsgebärde und leibliche Präsenz im (liturgischen) Raum, gemeinschaftlicher Kreistanz und Soloperformance, Improvisation und Choreographie. Dabei sind uns das tänzerische Niveau wie auch die theologische Reflexion wichtig.  Auf unserer Homepage finden Sie aktuelle Informationen, Veranstaltungstermine und AnsprechpartnerInnen Ihrer Region.

Persönlich finden Sie uns auf von uns gestalteten Symposien und Kirchentanzfestivals wie auch auf Katholiken- und Kirchentagen.

Gerne können Sie Kontakt mit uns aufnehmen.

Wir freuen uns auf die Begegnung mit Ihnen auf einer unserer

Veranstaltungen.

Katrin Gergen-Woll   - 1. Vorsitzende

Hier können Sie uns treffen und kennenlernen …

Veranstaltungen, auf denen die CAT mit Workshops, Tanzgottesdiensten und einem Stand vertreten ist

  • Deutscher Evangelischer Kirchentag 24. – 28. Mai 2017 Berlin - Wittenberg
  • Katholikentag 9.-13. Mai 2018 in Münster

Eigene Veranstaltungen der CAT

  • 10. Kirchentanzfestival vom 28. April - 1. Mai 2018 (Samstag – Dienstag) auf dem Hesselberg

 

Bericht über das Symposium „Tanz–Gottes-Dienst - Himmel und Erde berühren sich“ vom 5.-8.01.2017 in Essen-Werden (von Marlies Scharping)

Das Dunkle umhüllt alles. Doch siehe da, die Erde und das erste Licht der Sonne erscheinen vor unseren Augen; erscheinen, dehnen sich aus und nehmen Raum. Die Erde tanzt, die Sonne tanzt, das Dunkel tanzt. Erde und Sonne nähern sich einander an und die Erde beginnt zu grünen. Mit ihren Fingerspitzen berühren sie sich.

So erlebte ich den Auftakt zum Symposium „Tanz-Gottes–Dienst: Himmel und Erde berühren sich". Nach der Performance folgte ein Anspiel von Margareta, Juliane, Ruth und Marlies. Zwei Frauen gehen zu einem Tanzgottesdienst und zwei zu einer anderen Veranstaltung. Als sich die beiden Paare begegnen, sich begrüßen und erfahren, dass zwei auf dem Weg zu einem Tanzgottesdienst sind, folgen Reaktionen von Neugierde und Abwehr. Die Abwehr wird gelöst durch aufklärendes Erzählen über das, was in einem derartigen Gottesdienst geschieht.

Danach eine Mischung aus Bewegendem, die alle Teilnehmer/innen des Symposiums durch Tanz und Gespräch miteinander in Verbindung brachte. Lachen, reden, tanzen und Gott loben, die gemeinsame Zeit hatte begonnen. Pierre Stutz beendete den offiziellen Teil des ersten Abends mit einem Impuls, die Ruhe in sich zu finden und sich ausdehnen zu lassen, als Abendlob. Dabei zitierte er auch Etty Hillesum's Worte: „Das ist unsere einzige moralische Aufgabe: In sich selbst große Flächen urbar machen für die Ruhe, immer mehr Ruhe, so dass diese Ruhe wieder auf andere ausstrahlen kann. Und je mehr Ruhe in den Menschen ist, desto ruhiger wird es auch in dieser aufgeregten Welt."

Freitagmorgen, Epiphanias, begann mit einem gemeinsamen Morgenlob in der Seminarkirche des Kardinal-Hengsbach-Hauses. Claudia Schimmer las Jesaja 60,1-2 … und lud zu eigenen Bewegungen ein, um sich einen Vers oder ein Wort zu verinnerlichen. Zum Liedvers „Auf werde licht, Jerusalem! Halleluja, Halleluja, Halleluja! (GL 631,2) bewegten wir uns als Kette durch den Kirchenraum bis alle spiralförmig um den Alter versammelt waren. Nachdem wir das Evangelium von den Sterndeutern gehörten hatten, tanzten wir als Schlange weiter bis zum Kreuz, um dort den Segen für den Tag zu empfangen.

Das Arbeitsprogramm des Symposiums setzte sich dann in einem Vortrag von Pierre Stutz, basierend auf seinem Buch „ Ein Stück Himmel im Alltag“, fort.

In seinen „Sieben Schritte zu mehr Lebendigkeit“ zeigte Pierre Stutz verschiedene spirituelle Erfahrungen auf, die sich Menschen heute wünschen.

  1. Da-sein können

  2. Mein inneres Feuer entdecken

  3. Ein spannendes Leben wagen

  4. Mit Aggressionen Versöhnung wagen

  5. Von der Kunst des Loslassens

  6. Gottes lachende Segen feiern

  7. Aufgehoben in einem größeren Ganzen

Diese spirituelle Erfahrungen wünschen sich viele nicht nur den Alltag, sondern auch für die Gottesdienste, die sie mitfeiern. Auch hier soll das Heilige in Zeichen, Worten und Bewegung erfahren und gemeinschaftlich gefeiert werden. Der Gottesdienst soll eine Brücke sein, ein Dialog zwischen Gott und Mensch. Er soll an Gottes Heilshandeln in der Geschichte erinnern und zugleich lebendige Begegnung mit Christus erlebbar machen.

Im Anschluß an den Vortrag führte uns Sr. Monika Gessner mit meist selbst choreografierten Kreistänzen in ein bewegtes Gotteslob bis zum Mittagsessen. Hier konnten die Themen des Vortrags von Pierre Stutz im Tanz nachklingen.

Der Nachmittag gestaltete sich in fünf verschiedenen Workshops, die einen gemeinsamen öffentlichen Tanzgottesdienstes in vorbereiteten. Der Gottesdienst fand abends in der Evangelischen Kirche Essen-Werden statt. Alle Gottesdienstteilnehmenden wurden eingeladen beim Kyrie und Gloria und ebenso bei der Lesung eines Psalms ihren eigenen Tanz als Körpergebet darzubringen. Eine Gruppe tanzte die Predigt zu Matth. 2,1-12. Sie begannen verteilt im ganzen Kirchenraum, sich suchend und findend auf den Stern und auf die Krippe zuzubewegen. Das Glaubensbekenntnis wurde durch drei Gruppen eindrucksvoll gestaltet. Je eine Gruppe für Gott den Vater, Jesus Christus und den Heiligen Geist und die sich zum Ende zusammenfinden als Gemeinschaft und mit Gesang/Tönen beeindruckte.

Ein gelesener Text lud ein, Gott mit Spielen, Singen und Tanzen zu loben und ein getanztes Sanctus (Kreistanz) führte zum gemeinsamen Vaterunser und dem abschließenden Segen. Musikalisch begleitete Gert Kötter die Gottesdienstfeier und alle Teilnehmenden auf wunderbare Weise.

Das Morgenlob am Samstag gestaltete Martina Schüssler mit dem Gedicht „ Himmel“ von Wislawa Szymborska. Der gesungene und mit Tanz begleitete Sufigesang „Let the heaven be reflected by the earth“ öffnete unsere Herzen.

Das nächste Element des Symposiums war eine Podiumsdiskussion, moderiert von unserer Vereinsvorsitzenden Katrin Gergen–Woll. Zu Beginn gaben die 4 Gäste auf dem Podium zu den Fragen „Was ist Gottesdienst?“, „Was ist im ökumenischen Gottesdienst möglich?“ und „Wo hat Tanz darin Platz?“ aus Ihrer jeweiligen Perspektive eine kurze Stellungnahme:

Nicole Breithaupt arbeitet als wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl von Prof. Dr. Anne Steinmeier für praktische Theologie in Halle. Frau Breithaupt begann mit der Frage, ob die Zeit reif ist für Tanz in der Kirche. Zunehmend wird anerkannt, dass unser Körperwissen und gerade das Tanzwissen anderes Wissen ist als das unseres Verstandes. Durch den Tanz geschieht im eigenen Körper Verstehen. Tanz ist ein Potential für menschliche Bewusstseins- arbeit. Und Tanz ist seit Urzeiten eine der wichtigsten Ausdrucksformen des Menschen. Tanz ist eine Sprache in der wir ganz und gar gegenwärtig sind. Tanz ist mehr als eine austauschbare Ausdrucksform. Durch Bewegung und Tanz wird „am Ort der körperlichen Erfahrung“ Sinn generiert und erfahren.

Dr. Frank Peters berät als Leiter der Arbeitsstelle Gottesdienst der Evangelischen Kirche im Rheinland evangelische Pfarrer/innen. Sein Statement begann mit einem Luther-Zitat. Martin Luther sagte bei der Einweihung der Torgauer Schlosskirche 1544, dass in diesem Raum „nichts anderes … geschehe, als dass unser lieber Herr selbst mit uns rede durch sein heiliges Wort und wir umgekehrt mit ihm reden durch unser Gebet und Lobgesang“. Wenn es aus evangelischer, liturgietheologischer Sicht eine Richtlinie für den Gottesdienst gibt, dann diejenige der Torgauer Formel: Auch der Tanz muss sich in das Kommunikationsgeschehen zwischen Gott und Mensch einfügen, indem er dem (tieferen) Verstehen des Wortes Gottes dient und/oder zur Antwort darauf wird. Partizipation muss und darf jedoch nicht heißen, dass beim Gottesdienst möglichst jede und jeder irgendetwas irgendwie aufführt. Eine „aktive Teilnahme“ kann auch im aufmerksamen Zuhören oder im innerlichem Mitbeten bestehen. Das gilt für „verordnete Bewegungsaktionen“ oder als peinlich empfundene „Tanzaufführungen“. Ob und wie Tanz im Gottesdienst Platz erhält, ist keine theologische Frage (mehr) und auch keine konfessionelle, sondern eine soziokulturelle. Bestimmte Menschen und Milieus bewegen sich lieber. Dr. Peters sagt, dass viel mehr möglich ist als wir vermuten, und er plädiert dafür: Wo Platz/Raum ist, lasst ihn uns füllen. Leider sind unsere Kirchen oft mit feststehenden Bänken ausgestattet, doch wo Räume sind, hat auch der Tanz Platz … denn Gottesdienst ist ja mehr als eine wortreiche Vortrags- bzw. Bildungs-veranstaltung.

Als Liturgiereferentin im Bistum Essen sprach Dr. Nicole Stockhoff von den Grenzen und Möglichkeiten des liturgischen Tanzes. Tanz sei Ausdruck des erlösten Seins, ist Ritual und Kult und fördert die Einheit als soziale und religiöse Gemeinschaft. Sie ermutigte vor allem auch die Vielfalt der gottesdienstlichen Feiern in den Blick zu nehmen und katholischerseits nicht immer nur auf die Eucharistiefeier zu schauen.

Matthias Hoppe ist Diakon in der Erzdiözese Freiburg und langjähriges CAT-Mitglied. Er berichtete von seinen Praxiserfahrungen mit Tanz in der Pfarrgemeinde, in der Citypastoral und in verschiedenen Gottesdienstformen. Sich vom Wort durchdringen lassen, eine Antwort auf Gottes Nähe tanzen. Durch Tanz Heimat finden und Entlastung spüren. Seine Erfahrungen sind äußerst positiv und er endet mit Gottes Zusage an den Menschen: „Ich will das du bist“ und nimmt Bezug auf die Bibel “…und das Wort ist Fleisch geworden.“

Eine angeregte Diskussion schloss sich den Beiträgen an, die am Nachmittag in mehreren Kleingruppen weitergeführt wurde und dabei auch den Epiphanias-Gottesdienst reflektierte. Verschiedene Standpunkte und Fragen wurden auf Plakaten gebündelt, die noch ausgewertet werden. Es war ein Ringen und Suchen, wie man verantwortlich Räume für spirituelle Erfahrungen, also auch gottesdienstliche Feiern, gestaltet und dabei verschiedenste Formen von Tanz und Bewegung einbindet.

 

Den „Arbeitsteil“ des Symposiums beendete Claudia Schnürer, Performerin und Dozentin an der Folkwang Universität der Künste für Körpertheater. Sie ist kurzfristig für Nadia Kevan eingesprungen, um uns in einem Tanzworkshop zur Berührung von Himmel und Erde zu leiten. Körpertheater – Theater, das in meinem Körper stattfindet. Theater, das Dunkles in Helles, Kräftezehrendes in Kraftspendendes wandeln kann.

Nach einer Zeit des Ankommens im eigenen Körper, der eigenen Erde lud sie uns ein etwas Dunkles in uns zu finden, es anzuschauen und ihm Gestalt zu geben. Wir sollten diese Gestalt als ein Gegenüber wahrnehmen, ernst nehmen und mit ihm ins Gespräch kommen. Dann körperlich mit ihr kommunizieren und es sich wandeln lassen. Die vorgestellte Gestalt nähren und erfragen, was sie will, braucht und wie es ihr geht, wenn sie es bekommt. Den Abschluss bildete die Einladung mit dem Gestärkten und Gewandelten zu tanzen, mit ihm und aus ihm heraus.

Gestärkt vom Abendessen begann gegen 20 Uhr der Festabend, moderiert von CAT-Vorstandsmitglied Manfred Büsing. Als Gäste waren außerdem Volkstänzer aus Essen eingeladen, um uns deutsche Volkstänze zu vermitteln. Das gelang Frau Brendel und Mittänzer/innen hervorragend und so wirbelten alle zu Polka oder Rheinländer durch den Tagungsraum. Scherzhafte Beiträge von Manfred, die geführten Tänze und einige Ausschnitte aus Kinofilmen, in denen Tanz eine bedeutende Rolle spielt, sorgten für himmlisch-leichte Stimmung. Ein kurzes Abendlob schloss das offizielle Tagungsprogramm ab.

 

Unseren gemeinsamen Abschluss des Symposiums „Himmel und Erde berühren sich“ feierten wir am Sonntagvormittag in einem gemeinsamen Tanzgottesdienst in der Aula des Kardinal-Hengsbach-Hauses. Das Herzstück dieses Gottesdienstes war der Bibeltext aus 1 Kön 19 - die Erschöpfung des Elia, seine Stärkung durch die Berührung eines Engels und Nahrung die er ihm brachte, das erneute Sich-auf-den-Weg-machen und der Moment der Gottesbegegnung, den Elia im leisen Säuseln des Windes erlebte.

Lob und Dank an alle Beteiligten, begleitet von kräftigem Applaus, waren unser gemeinsamer Abschlusstanz. (Marlies Scharping)

Fotos unter http://www.christliche-ag-tanz.de/content/symposium-2017-tanzgottesdienst

Videoausschnitt von einem Tanzworkshop mit Evamaria Siegmund auf dem Katholikentag in Leipzig

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